Dekoration, die besticht

Es klingt zunächst nicht neu: Der Kaktus ist wieder einmal im Trend. Zwar war er als Pflanze vermutlich nie weg vom Fenster, sondern gerade in Haushalten ohne grünen Daumen das eine Grün, das man auch als unaufmerksamster Gärtner am Leben erhalten kann. Doch jetzt gibt es wirklich etwas Neues vom Kaktus zu berichten: Der Kaktus ist jetzt tatsächlich ein Wohntrend.

Aber dabei handelt es sich nicht unbedingt um den stacheligen Wüstenbewohner als Pflanze fürs Zuhause. Nein, man stellt Porzellanfiguren in Kakteenform als Dekoration auf Kommoden und in Regale. Oft ziert der Kaktus auch als Muster oder fotorealistischer Druck Kissen auf der Couch – was im ersten Moment bei wirklich guten Drucken eher zum Zurückschrecken denn zum Anlehnen führt. Denn der Kopf ist schließlich auf Vorsicht programmiert, wenn man Stacheln erblickt. Und dann ist da noch der Kaktus als Formgeber für einen Blumentopf, in den dann andere Pflanzen gesetzt werden.

 

Zwar mag der Kaktus das eine wirklich auffallende Motiv sein, aber dahinter steckt ein übergeordneter Trend, berichtet Nicolette Naumann, Bereichsleiterin der internationalen Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt: “Insgesamt sind Grünpflanzen in der Tat im Trend.” Und auch das mag zunächst nicht neu klingen: Also Pflanzen sind – im Haus – ein Trend. Aber hat nicht eh jeder mindestens eine auf der Fensterbank? Und wenn es eben der eine robuste Kaktus ist, den man schon vor vielen Jahren zum Auszug aus dem Elternhaus geschenkt bekommen hat? Was bitte ist daran neu?

Laut Definition des Dudens ist ein Trend eine “über einen gewissen Zeitraum bereits zu beobachtende, statistisch erfassbare Entwicklung”. Es muss also nichts Neues sein, was sich nun erst auf den Messeständen und bald auch schon in den Läden breitmacht. Aber es muss auffallend viel sein, damit man es Trend nennen kann.

 

Und mehr Grün fällt tatsächlich schon seit einigen Saisonen auf – und gerade auch Anfang 2017 auf der Messe Ambiente, wo Einzelhändler sich mit Tisch- und Kochware, aber vor allem mit Schnickschnack und Dekorationen eindecken. Zu sehen ist dieses Mehr an Pflanzen sogar an den Ständen selbst, wo die Herstellerfirmen und Einrichter lebensnahe Wohnräume aufbauen und so inszenieren, wie sie sich denken, dass ihr Kunde aktuell gerne wohnen möchte. Und da stehen jetzt viele Pflanzen herum, hängen von den Decken oder bewachsen ganze Wände.

Und natürlich gibt es Produkte für das Grün im Zimmer. Sie werden ausgefeilter, weil die Firmen und ihre Designer sich immer mehr Gedanken darum machen. Es werden zum Beispiel selbstbewässernde Töpfe, Mini-Gewächshäuser fürs Haus und durchsichtige Pflanzgefäße vorgestellt, in denen das, was uns stets verborgen bleibt, besonders in den Fokus rückt: Die Wurzeln werden sichtbar.