Museen, Puffs & Gebeine

Nach knapp zwei Stunden Flugzeit ging ich schließlich in der legendären Stadt der Liebe von Bord – Zeit, herauszufinden, was sie zu bieten hat! Nach einem kurzen Stopp im Hotel machte ich mich mit meiner Kamera im Gepäck auf, die malerische Innenstadt zu erkunden, wo es mich sofort zum Wahrzeichen der Stadt zog – der Eiffelturm.

Das Erste, was mir auf dem Weg dorthin auffiel, war, dass ich keinen Fahrschein für die Pariser Öffis gebraucht hätte, da es für die Einheimischen völlig normal zu sein schien, sich mit fremden Personen durch die Absperrung der Metro zu drängen. Generell haben sich mir während meines kurzen Aufenthalts eine Vielzahl typischer (und nicht immer freundlicher) Franzosen-Klischees bestätigt. Mit dem Nationalstolz ihrer „Grande Nation“ im Rücken erlebte ich bei vielen Parisern jene Arroganz und Rücksichtslosigkeit, die ihnen im Ausland gerne nachgesagt wird. Sind alle Franzosen so? Natürlich nicht. Trotzdem fühlte ich mich in anderen Ländern schon willkommener –  auch in Geschäften und Restaurants hat man mich gelegentlich ziemlich herablassend behandelt, sobald die Angestellten erkannten, dass ich kein Französisch spreche und offensichtlich „nicht von hier“ war.

Nachdem ich den Eiffelturm erreichte, musste ich erst die allfälligen Sicherheitskontrollen über mich ergehen lassen, um mich anschließend ans Ende einer langen, sich zäh vorwärts bewegenden Schlange einzureihen – bei einer so berühmten Sehenswürdigkeit wenig überraschend. Die Aussicht von der höchsten Plattform war atemberaubend – ein unglaublicher Panoramablick über ganz Paris! Ich konnte mich daran kaum sattsehen und hätte am liebsten den ganzen Tag dort verbracht, doch weil es noch so viel anderes zu sehen gab, beließ ich es bei einem Haufen Fotos ehe ich meine Erkundungstour fortsetzte.

 

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich damit, durch Pigalle zu streunen – das berühmt-berüchtigte Rotlicht- und Vergnügungsviertel am Hügel des Montmartre, das unter anderem das bekannte „Moulin Rouge“ beheimatet. Optisch dominiert hier klar das besagte „Rotlicht“: grelle Neonschilder mit suggestiven oder eindeutigen Botschaften säumen die lange Straße, auf der neben Bordellen, Stripclubs und kleinen, teils schäbigen Sex-Shops und Bars kaum Platz für andere Geschäfte blieb. Bemerkenswert fand ich, dass im Pigalle bereits vor Einbruch der Dunkelheit Hochbetrieb herrschte. Ich selbst beließ es aber bei ein paar Bier ehe ich zu unserem Hotel zurückwanderte – schließlich hatte ich am nächsten Tag viel vor.

Durch die Erfahrungen am Eiffelturm beschloss ich, früh aufzustehen, um mir Notre Dame ohne lange Wartezeit ansehen zu können. Die massive Kathedrale war in natura imposanter als ich es von Bildern hätte erahnen können. Die beiden großen Türme mit ihren gotischen Verzierungen und steinernen Grotesken waren schon von Weitem gut zu erkennen, im Inneren gab es zwei kunstvolle Orgeln und den umfangreichen Kirchenschatz zu bewundern.

 

Meine nächste Station war der Louvre mit dem Ziel die Mona Lisa und den Codex Hammurapi zu sehen. Während ich durch die labyrinthartigen Gänge des Museums wanderte, wurde ich auf einen “Moshpit” aus Menschen aufmerksam, die alle versuchten, ein Selfie mit Leonardo da Vincis Meisterwerk zu bekommen. Um dem Trubel und Gedränge zu entgehen betrachtete ich die Mona Lisa lieber aus einiger Entfernung, bevor ich mich dem Codex Hammurapi zuwandte, einer babylonischen Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 18. Jahrhundert v. Chr., die im Louvre ausgestellt wird, nachdem sie von französischen Archäologen in Susa gefunden wurde. Sowohl Stele als auch Tontafeln waren angesichts ihres Alters in erstaunlich gutem Zustand. Ich nahm mir noch etwas Zeit, mir viele weitere kleinere und größere Kunstwerke anzuschauen, ehe ich den Louvre verließ.

Da ich nach all der Herumwanderei müde war, hielt ich kurz inne – und bemerkte einen Flohmarkt in der Nähe. Hier gab es einige skurrile Sachen zu kaufen, von denen ich gerne mehr fotografiert hätte, wäre ich gelassen worden. Mehrere Händler reagierten nämlich ziemlich allergisch auf meine Kamera und herrschten mich auf Französisch oder Englisch an, keine Fotos zu machen. Den Grund dafür sagte man mir nicht, doch angesichts der in Paris hohen Kriminalitätsrate wäre ich nicht geschockt, wenn der Großteil der Waren auf diesem Markt Diebesgut war.

 

Als ich am Rande des Jardin des Tuileries entlang schlenderte, beschloss ich, einen Stopp im Café  einzulegen, das ironischerweise vor über 100 Jahren von einem Österreicher eröffnet wurde und dessen Inneres einem altehrwürdigen Wiener Kaffeehaus tatsächlich in nichts nachsteht. Im Anschluss habe ich ein paar Fotos vom Arc de Triomphe du Carrousel und einen Abstecher zum Place de la Concorde gemacht, wo ich den Obelisk von Luxor, die Brunnenanlage und die acht Stadtallegorien ablichtete. Mein Instagram-Account sollte von dieser Reise enorm profitieren.

 

Als Nächstes war das Musée de l’Orangerie an der Reihe, wo unter anderem acht Seerosenbilder von Claude Monet ausgestellt sind, die kombiniert ein malerisches Wandpanorama ergeben.

Meine letzte Sehenswürdigkeit des Tages sollten die unterirdischen Katakomben von Paris sein. Dieser Ort schien tatsächlich eine Pforte zur Unterwelt zu sein: ein verwinkeltes, weit verzweigtes System aus Gängen und Kammern, von oben bis unten gespickt mit den sterblichen Überresten von Millionen Parisern, die hier im Laufe der Jahrhunderte zur letzten Ruhe gebettet wurden. „Arrete! C’est ici L’Empire de la Morte“ („Achtung, dies ist das Reich der Toten“) ist verheißungsvoll über dem Eingang zu lesen. Fotografieren durfte ich in den Katakomben zwar, allerdings wurde mir das Blitzen verboten, was absolut unverständlich war, da andere Besucher keine Skrupel hatten, die Stapel an Totenschädeln und Gebeinen einfach anzufassen, was in meinen Augen schädlicher als mein schwaches Blitzlicht sein muss.

 

Als das Wochenende vorbei war und ich den Rückflug nach Österreich antrat, ließ ich die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Was hatte ich Interessantes über Paris gelernt? Das Panorama ist malerisch, die Architektur charmant, die Preise hoch, die Einheimischen überwiegend unfreundlich, die Frauen hübsch, das Essen gut, der Wein besser, der französische Lifestyle gechillt und die Straßenmusiker talentiert.

Alles in allem habe ich meinen kurzen Aufenthalt sehr genossen, würde aber nächstes Mal vielleicht einen Teil von Frankreich bereisen, in dem die Drum & Bass-Szene besser entwickelt ist – und jedem, den nun die Lust gepackt hat Paris selbst für sich zu entdecken, sind fortgeschrittene Französisch-Kenntnisse oder eine präzise Übersetzungs-App ans Herz legen. Au revoir!

 

Weitere Impressionen:

Text und Fotos:
© Maximilian Jonas