Social Media – Segen oder Fluch? Teil 2

Fortgesetzt von Teil 1

Die selbe Systematik fällt mir verstärkt bei der heutigen Generation von 10-18-Jährigen auf (ist aber auf ähnlich intensiv auf sämtliche Altersgruppen zu beziehen). Viele werden noch bevor sie überhaupt dazu kommen, Charakteristika eines Individuums oder eine elementare Form von Vernunft zu entwickeln, schon in die Masse von gleichgeschalteten „Schafen“ einverleibt. Und als jemand, der sich ein wenig mit Massenpsychologie befasst hat, weiß ich, dass solche Menschen sich mit der Gruppe identifizieren und ihr Selbstwertgefühl daher generieren, wo sie den Parametern jener am ehesten entsprechen.

Und die konsumlastige Gesellschaft, in der wir leben, bedient sich dieser Faktoren natürlich hinsichtlich Werbung und Social Media. Wenn sich also ein prestigeträchtiges Role-Model Schuh XY kauft und diesen öffentlich trägt, wird sicher das eine oder andere Bild auf SMP auftauchen, wo das zu sehen ist. Und wenn das nicht ohnehin von Unternehmen XY initiiert wurde, dann ist es sicherlich dennoch gerne gesehen. Seine/ihre Anhängerschaft wird es ihm/ihr dann gleich tun, um ebenfalls Prestige zu ernten. Unwissentlich werden sie aber selbst zu Werbeträgern instrumentalisiert, was den Effekt noch verstärkt, bis schließlich gruppenübergreifend alle Schuh XY tragen. Weiters schließen sich ihr, durch die öffentliche Präsenz dieser „Armee“ angetrieben, immer mehr und mehr Menschen an, um nicht außen vor gelassen und als anders, ja gar minderwertig abgestempelt zu werden.

Selbiges gilt für Frisur, Kleidungsstil, Accessoires etc. Abgesehen von offensichtlichen Konsumartikeln wird auch anderes ähnlich abgewickelt wie z.B. Meinungen, Ideologien und Ideen – allesamt nicht zum Verbrauch geeignet, jedoch durch die Art und Weise, wie heutzutage Informationen großteils verarbeitet werden, durchaus als Konsum zu betrachten. Immerhin durchleben soeben erwähnte, immaterielle Güter oftmals keinen adäquaten Verarbeitungsprozess. Sie werden blindlings registriert, nach Relevanz sortiert und landen dann (besonders, wenn es vom eigenen Standpunkt abweicht) im Müll oder werden ohne wirkliches Interesse „auswendig gelernt“ und somit nicht wirklich verstanden.

Hiermit komme ich auch wieder zum vor diesem Exkurs ursprünglichen Thema zurück: Social Media und die Jugend. Dort schließt sich auch eigentlich der Kreis wieder – In SMP wird regelrecht um Prestige gewetteifert mithilfe von Status-Updates, Fotos, Videos, Likes und Followern. Immer mehr, immer „besser“, immer schneller, immer privater. Das Loch im Geiste dieser Menschen muss gigantisch sein, wenn man das mit solchen Mengen an „reputablen“ Substituten versucht zu kompensieren.

Anders kann ich es mir nicht erklären, wie man so illusionistisch sein kann und das virtuelle Leben dort mit der Realität gleichsetzen oder womöglich sogar darüber stellen kann. Es ist ja prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, mit der Welt zu teilen, was man erlebt, denkt usw. Auch Bilder vom Essen oder aus dem Urlaub finde ich durchaus ok, wenn auch nicht unbedingt notwendig, weil man ja damit im Endeffekt nur angeben will. Wenn man allerdings beginnt Facebook als Tagebuch zu verwenden, mehr Wert auf das virtuelle Gespinst an „Heldentaten“ als auf die Wirklichkeit zu legen und sowieso nur das tut, was schicklich ist, geht es für mich zu weit.

Zwar sind SMP unter anderem dazu da, die Kommunikation zu erleichtern und erweitern, aber ich finde sie behindert diese mindestens genau so sehr wie sie ihrer Sache dienlich ist. Oft genug sehe ich Pärchen/Gruppen irgendwo sitzen oder stehen, die allesamt gebannt auf ihre Smartphone-Bildschirme starren, um ja keinen Furz zu verpassen, den ein Pinguin im letzten Winkel der Antarktis fahren lassen könnte. Und wehe man verpasst den neusten Gossip aus Hollywood! Wo kämen wir denn da hin? Womöglich müssten wir uns dann mal um unser eigenes Leben kümmern, anstatt immer links und rechts zu schauen, was die anderen so machen. Unvorstellbar! Aber gut.. mit u.a. durch SMP induziertem ADS-ähnlichen Zuständen, kommt man einfach nicht alleine klar.

Für Teil 3 müsst ihr wohl noch bis nächste Woche warten. Vielen Dank fürs Lesen und bis dann.