Social Media – Segen oder Fluch? Teil 3

Fortgesetzt von Teil 2

 

Zukunftsperspektive

Wenn sich heute schon 11-,12-,13-Jährige Mädls/Jungs auf den Fleischmärkten (Facebook, Instagram usw.) präsentieren, wie, nun ja, ein Stück Fleisch, wie wird das wohl in Zukunft weitergehen? Ich kann es nicht sagen, aber ich betrachte es mit Argwohn. Mit selbigem Niveau werden Aussagen getätigt und „Konversationen“ geführt, bei denen ich mir nur an den Kopf greifen kann. Eine nicht aufzuhaltende Verblödung der Bevölkerung ist schon lange im Gange – und Social Media sowie generell die Medien tragen nicht unbedingt zu einer Besserung bei.

Vielmehr ist es so, dass Menschen auch dadurch immer mehr und mehr verlernen eigenständig zu denken. Das kommt daher, da sie alles, von dem sie der Meinung sind, dass es wichtig für sie ist, innerhalb der Flut namens Informationsangebot zu finden glauben. Und das ohne sich den Kopf zu zerbrechen. Einfach etwas halbwegs passendes finden und auswendig lernen, wie in der Schule, dann passt das schon.

Ohne einen zweckdienlichen Informationsfilter wird man jedoch nicht zwischen gut oder schlecht, richtig oder falsch, nützlich oder sinnlos unterscheiden können. Selbigen kann man wiederum nur durch rationales, selbständiges Denken akquirieren – beides schließt einander also aus; entweder oder. Apropos Ratio: Die Vernunft, eines der grundlegendsten Merkmale eines Menschen ist zur Ultima Ratio verkommen, sie wird vermehrt nur noch als letzter Ausweg gesehen oder unterbewusst angewandt, weil es oftmals einfach kein Zugang zu ihr gibt bzw. das Bedürfnis eines solchen nicht existent ist, da man eh alles vorgekaut bekommt.

Abseits des Mainstreams gibt es bei SMP sehr interessante und sinnvolle, leider aber unterbewertete und viel zu unpopuläre Projekte, die mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung sowie Anerkennung verdient haben. Unglücklicherweise geht das meiste davon an „attention-whores“, die letztendlich nichts daraus machen, außer sich Selbstwertgefühl hinzu zu fantasieren oder an Konzerne, deren Popularität ja nie hoch genug, deren Image nie imposant genug oder deren Gewinne nie ausreichend sein werden.

Scheinbar tendiert die Menschheit mit Vorliebe immer mehr zur Maßlosigkeit und Dekadenz, wobei Social Media ein irrsinnig bestärkendes Werkzeug sein kann. „Sein kann“ wohl gemerkt – ich hoffe nach wie vor, dass eines Tages der positive Nutzen daraus überwiegen kann. Aber vorher müssen wir wohl mal wieder richtig Scheiße bauen oder heftigst eins auf die Fresse kriegen (in metaphorischem Sinne), bevor wir bereit sind etwas zu ändern, geschweige denn uns und unsere Ansichten zu ändern. Die Geschichte der Menschheit spricht hierzu Bände: Wir haben fast immer gewartet, bis uns das Wasser bis zum Hals stand, bevor wir ernsthaft etwas unternommen haben.

Und bis dahin schaut Big Brother uns anstandslos über die Schulter, um heraus zu finden, wie wir wohl noch besser zu manipulieren und auszubeuten zu sind. Was in den Weiten des WWW ja schon lang gang und gäbe ist, wogegen die breite Öffentlichkeit, ja aber nicht wirklich etwas auszusetzen hat. Außer Google, die CIA oder die NSA o.ä. sind mal wieder in den Nachrichten – oder sonst etwas, dass für einige Tage polarisiert, wogegen man „protestieren“ (liken für den Weltfrieden – na klar, funktioniert garantiert) oder worüber man sich empört zeigen kann, nur um es in einigen Tagen ohnehin wieder vergessen zu haben.

Weiters kann ich nicht verstehen, wie wir in so vielen Hinsichten mit einer solchen Doppelmoral agieren können. Ein Beispiel wäre der kürzliche Hype um Charlie Hebdo. Ohnehin breitgetreten in den Massenmedien, trugen SMP maßgeblich zur Publicity dieses Falls bei, während in vielen anderen Ländern Tausende Menschen in religiös motivierten Kämpfen ums Leben kommen. Davon sieht man aber immer noch vernichtend wenig. Und selbst wenn darüber berichtet wird, geht uns das ja nichts an, findet ja in keinem „Erste-Welt-Land“ statt. Zumindest lässt unser Verhalten oft auf so eine Ansicht schließen.

Summa Summarum halte ich Social Media für eine gute Sache, aber noch haben wir den richtigen Umgang damit nicht wirklich gelernt. Generell sollten viele noch einiges in Erfahrung bringen und da könnten diese „Werkzeuge“ recht hilfreich sein – verwendet werden sie aber hauptsächlich für Coolness, öffentliches (← ganz wichtig!) En-vogue-sein, Darstellung der „Identität“, Reputation etc. Das ist fast so, als ob wir den Hammer erfunden hätten, um uns damit am Rücken zu kratzen. Vielleicht hat das auch der eine oder andere Homo Erectus getan, aber spätestens dem Homo Sapiens sollte klar gewesen sein, dass man damit drauf zu hauen hat und alles andere eher in Richtung Zweckentfremdung geht. In dem Sinne täten wir gut daran uns zum Homo Socialmediensis weiter zu entwickeln, der seine Erfindung optimal einzusetzen weiß – zum Wohle aller und nicht nur eines selbst oder gewisser Gruppen.